Tagebucheintrag eines Leichtmatrosen
(Bericht von Thilo Hinrichs)
Tag 1, Ankunft in Wismar
Nach einer langen, auslaugenden, aber nicht langweiligen Zugfahrt und einem kurzem Marsch mit Gepäck, kamen wir am alten Hafen Wismars an.
Dort lag sie: die SS Amphitrite. Es war kalt, es nieselte und somit blieb die erwartete Hochstimmung aus. Doch schlecht war die Laune in der Gruppe nicht.
Schließlich wurden wir von der Stammcrew aufgefordert, das Schiff zu betreten. Unter einem aufgespannten Tuch fand das erste Treffen statt. Wir wurden Willkommen geheißen mit anschließender Führung über das Schiff.
Dann wurde das Gepäck in den Kojen verstaut, die Schlafmatten bezogen, die Schlafsäcke ausgepackt und bis zum Abendessen wurden noch einige selbstständige Erkundungen des Schiffs unternommen.
Langsam kam das Gefühl der Vorfreude. Von außen her habe ich mir die Amphi größer vorgestellt, doch von innen trifft das Wort „Platzausnutzung“ voll und ganz zu.
Während des Abendessens, an dem wir Amphi-Neulinge die Frage: „wer ist hier der Chef“ (Antwort: die Köchin, Anmerk. d. Redaktion) erklärt bekommen haben, hatte ich beschlossen, die Kochkünste der Köchin Elke zu mögen.
Kurz nach dem Abendessen wurde eine Erkundung von Wismar unternommen.
Abends lag ich in der Koje und schlief rasch ein.
Tag 2, Wismar
Die Nacht war ruhig gewesen, und weil wir im Hafen lagen, mussten wir keine Wache schieben.
Am Morgen waren die Wettergötter nicht auf unserer Seite, es regnete in Strömen.
Das Frühstück war sehr lecker.
Mit gefüllten Mägen trafen wir uns unter dem aufgespannten Tuch, um einer Ansprache des Kaptäns Ansgar zuzuhören. Wir sollten die Segel reffen, also mit ein paar Bändseln unten die Segelfläche verkleinern.
Es war anstrengend und sehr nass. Wir Jugendlichen stritten uns um die Deck-Abzieher, während die Großen und ein Teil von uns Jungen die Segel refften.
Am Nachmittag gingen einige spontan ins Kino, um „Lilo & Stitch“ anzuschauen.
Ich blieb auf der Amphi.
Dann, Richtung Abend, endlich ein Highlight. Die ersten Meter mit der Amphi.
Die Fahrt ging vom Alten Hafen Wismar zum Kotstek.
Die Fahrt dauerte 20 Minuten länger als geplant, weil wir das Frachtschiff „Alda“ vorlassen mussten.
Am Kotstek angekommen, verbrachten wir die Nacht neben der Alda und entdeckten, dass ihr Heimathafen Valetta ist. Bei diesen Schiffsausmaßen ist die Amphi ja ein winziger kleiner Käfer!
Mit diesem Gedanken schlief ich ein.
Tag 3, Die erste Fahrt
6:30 Uhr Aufstehen und zum Frühstück.
Dann eine Ansprache des Kapitäns.
Der Wetterbericht kündigte sonniges Wetter mit guten Windbedingungen an.
Das bedeutet: Wir fahren heute auf See! Der Plan ist, aus der Wismarer Bucht rauszufahren, Fehmarn zu umrunden um Eckkernförde anzusteuern, wo wir eine Nacht verbringen werden.
Nach dem Frühstück wurden Leinen eingeholt, an der Alda vorbei, aus dem Hafen.
Dabei stiessen wir auf das Kreuzfahrtschiff „Disney-Adventure“, das in der Werft in Wismar stand.
Das Wetter war, wie der Wetterbericht angekündigt hatte, gut: sonnig und guter Wind für die Amphi.
Auf See mussten wir Kinder an Deck eine Schwimmweste tragen.
Außerdem musste „Wache“ gehalten werden. Dazu gehört: vorne im Ausguck beobachten, Steuerung des Schiffs, Messung des Wetters und Navigieren beziehungsweise Beobachten des Radars.
Eine Wache dauerte 3 Stunden. Zwischen den Wachen wurden Karten und andere Spiele gespielt.
So ging es den ganzen Tag. Am Abend, während die Gruppe B Wache hatte, kam die Insel Fehmarn in Sicht.
Der verstrichene Tag verlief unspektakulär.
Abends in der Koje freute ich mich auf Eckernförde. Dann schlief ich ein.
Tag 4, Eckernförde
Nach einer langen, leider etwas schlaflosen Nacht stand ich auf dem Achterdeck.
Gerade hatte die Wache B ihre letzten Minuten, bis sie die Wache abgeben konnten. Draußen hatte sich der Horizont verändert, wir schienen in der Eckernförde Bucht zu sein. Der Anblick war schön. Mit Vorfreude auf Eckernförde ging ich zum Frühstück.
Nach dem Frühstück war es soweit. Weil leider kein Liegeplatz für die Amphi frei war, mussten wir an der Seite der „SS Seute Deern“, einem Schwesternschiff der Amphi, festmachen. Das Anlegemanöver war unspektakulär.
Sofort rüsten sich alle um aufs Festland zu gehen. Während des Vormittags wurden Shoppingtouren und Erkundungen des Ortes unternommen. Beim Mittagessen waren alle wieder da und danach gingen viele nochmal auf das Festland.
Richtung Nachmittag legte die Seute Deern ab und machte den Liegeplatz somit für die Amphi frei.
Der restliche Nachmittag war nicht mehr spannend. Es wurden Karten gespielt, Shopping- und Erkundungstouren unternommen und andere Sachen gemacht. Die Stimmung beim Abendessen war ausgelassen und fröhlich.
Der Abend war schön, der Sonnenuntergang spektakulär. In der Koje schlief ich zufrieden ein.
Tag 5, Eckernförde-Hafentag – zu viel Wind
Die Nacht war ruhig gewesen. Früh am Morgen wurde die Amphi gebunkert (für alle, die es nicht verstehen: die Amphi wurde aufgetankt).
Das Frühstück schmeckte mal wieder ausgezeichnet.
Den Vormittag verbrachte ich auf dem Schiff. Nach dem Mittagessen machte Ansgar eine Ansprache: wir sollten das Deck wässern, weil das Holz durch die Wärme zusammengezogen wurde.
Bei uns Jugendlichen brach ein Kampf um die Deckabzieher aus. Mir gelang es, einen zu nehmen und damit zum Bug zu flüchten, um ihn zu wässern.
Am Nachmittag gingen einige zum Strand, und so ging ich mit.
Es war sonnig, aber das Wasser war mir zu kalt, um zu schwimmen. Nachdem die anderen im Wasser geschwommen sind, bauten wir im Sand unsere Route nach. Es machte einen Riesenspaß! Zwar bekamen wir schnell Probleme mit den Dämmen und damit einher mehr Arbeit, als wir hätten zusammen schaffen können, aber das Gebaute wurde trotzdem toll.
Schnell ging der Tag zu Ende. Das Abendessen war füllig und (mal wieder) lecker.
In der Koje fragte ich mich, wie wohl die Backschaft werden würde.
Tag 6, Backschaft
Ich wurde 1 Stunde vor dem Frühstück zur Backschaft geweckt. Elke und die anderen waren schon in der Kombüse.
Ich half, wo ich konnte und brachte Teller, Besteck, Gläser und noch vieles mehr in die Messe.
Schließlich war alles fürs Frühstück vorbereitet.
Nach dem Frühstück hieß es erst einmal abwaschen. Während wir Geschirr polierten, legten wir aus Eckernförde ab und steuerten die dänische Südsee an.
Nach einer halben Ewigkeit deckten wir in der Messe die Tische für das Mittagessen. Ich hatte Pech, was das Spülen anging: heute war Seemannssonntag. Es gab Schweinebraten. Also mussten wir einen Topf in der Größe eines Kindersarges schrubben.
Glücklicherweise durfte ich für die geplante Wende meinen Lappen in die Spüle werfen und mithelfen.
Alles lief glatt, und als ich zurück zur Backschaft ging, hatten die anderen bereits fast alles gespült.
Elke plante schon das Abendessen, doch sie sagte uns, dass wir ein paar Stunden frei hätten. Das Abendessen war ebenfalls ausschweifend.
Als wir gerade spülten, gab es noch einen Ausschank, weil wir die Wende so gut gemeistert hatten.
Für uns hieß das: Gläser waschen.
Am Abend gingen wir in der Kieler Bucht vor Anker. Nach einer langen, auch anstrengenden Backschaft schlief ich endlich ein.
Tag 7, Letzter Tag
Der Tag begann fröhlich. Das Frühstück schmeckte nach der Backschaft nicht mehr so gut wie zuvor.
Dann hieß es: „All-hands-on“ (alle an Deck) Wir mussten den Anker lichten. Eine Hauruck- Aktion!
Erstmal war die Ankerkette rostig und verhakte sich ständig.
Aber irgendwann schaffen wir es und wir konnten in den Kieler Hafen einfahren.
Hier waren noch größere Schiffe als die „Alda“. Und schon waren wir da. Der Hafen sah ganz anders als die anderen aus.
Mittag- und Abendessen rücken schnell näher. Bei einem letzten Ausschank wurde noch die Woche „Revue passiert“.
Es wurde „klar-Schiff“ gemacht, alles bereit, damit man am morgigen Tag nur noch die Koje frei machen muss. Traurig, dass dieser Törn nun zu Ende ist.
(Fotos: Verschiedene)
